In den offiziellen australischen Hitparaden gilt ab Ende August 2026 eine neue Regelung: Die Australian Recording Industry Association (ARIA) hat beschlossen, dass vollständig von Künstlicher Intelligenz erzeugte Musik künftig nicht mehr aufgenommen wird. Der Branchenverband möchte mit den angepassten Richtlinien das menschliche Kunsthandwerk schützen.
Der Auslöser: Ein Charthit sorgt für Wirbel
Hintergrund der Entscheidung ist eine monatelange Debatte um ein Dance-Cover des Madonna-Klassikers „Like a Prayer“ von dem australischen Producer Josh Fawaz. Sein Track erreichte Platz 1 der australischen Radio-Airplay-Charts, Platz 1 der ARIA Dance-Charts sowie zig Millionen Streams auf Spotify.
In der Musikszene rief die Produktion jedoch starke Vorwürfe hervor. Branchenkollegen bemerkten auffällige Klangmuster und vermuteten, dass Gesang sowie Drums komplett von KI-Generatoren wie Suno oder Udio erzeugt wurden. Fawaz wiegelte die Kritik zunächst mit den Worten ab, KI sei für ihn lediglich „ein Werkzeug wie jedes andere“. Nach Recherchen der australischen Sendeanstalt ABC und anhaltendem öffentlichen Druck passte er die Song-Credits auf Spotify schließlich im Juli 2026 an. Dort wurden daraufhin explizit „Generative AI Vocals“ und „AI Drums“ aufgeführt.
Die neuen Richtlinien im Detail
Mit der Anpassung ihres Regelwerks zieht die ARIA nun eine klare Grenze:
- 100% KI bleibt draußen: Werke, bei denen der Gesang oder entscheidende Instrumental-Elemente vollständig von Algorithmen generiert wurden, werden rigoros disqualifiziert.
- KI als Assistent erlaubt: Solange Musik „im Wesentlichen von Menschen geschaffen“ wurde (substantially human-made), bleibt der Einsatz von KI-Tools im Studio gestattet. Voraussetzung ist, dass alle Verwertungsrechte gewahrt bleiben und keine künstliche Stream-Manipulation stattfindet.
ARIA-Chefin Annabelle Herd erklärte, dass Verkaufs- und Stream-Charts zwar den Geschmack des Publikums abbilden, aber gleichzeitig den menschlichen Ursprung künstlerischer Schöpfung würdigen müssen. Ein System, das komplett automatisierten Output auf den vorderen Rängen belohnt, würde der Musikbranche langfristig die Grundlage entziehen.